Mittwoch, 20. August 2014

Grimsel: Klettern (fast) wie früher!

Es war wieder wie früher: Reibungsklettern an der Grimsel. Oder zumindest fast. Im Unterschied zu früher klettern wir jetzt viel seltener und statt fremder haben wir die eignen Kinder dabei. Denn ob früher oder jetzt, das Gebiet der Gerstenegg ist ideal mit Kindern und Anfängern.
Reibungsklettern an der Grimsel
Die Kinder wollten mal mehrere Seillängen klettern. Da erschien uns das Gebiet rund um den Räterichsbodensee an der Grimsel ideal. Und die Wettervorhersage für das Wochenende tönte auch vielversprechend. Entsprechend ernüchtert waren wir am Samstagmorgen, als es draussen grau war und leicht nieselte. Wir beschlossen, trotzdem mal nach Meiringen zu fahren. Dort war es trocken, aber die Grimsel verbarg sich hinter einer dicken Wolkenwand.
Also erst mal eine Ovo oder einen Kaffee trinken und das Wetter Wetter sein lassen. Als wir wieder nach draussen traten, schien die Sonne, auch gegen die Grimsel sah es besser aus. Also los. Wir fuhren hoch zum Räterichsboden, das Wetter schien tatsächlich besser zu werden. Wir packten unsere Rücksäcke und stiegen hoch zur Staumauer und weiter zu den Felsen. Das Wasser lief immer noch stellenweise über die Routen, so dass wir uns nicht beeilten und zuerst mal unseren Hunger stillten.
Allmählich trocknete die eine oder andere Route ab. Wir stiegen in eine ein, die uns ideal erschien für den Anfang. Tatsächlich war sie einfach, aber nichtsdestotrotz schön zum Klettern. Plötzlich ein Poltern über uns, der Felsen bebte! Bang blickten wir nach oben. Ruhe. Minuten später stank es nach Schwefel. Da musste ein grosser Felssturz stattgefunden haben. Später stellten wir beruhigt fest, dass wir gar keinem Steinschlag ausgesetzt sein konnten, da ein kleines Tal dazwischen lag. Derweil erkundeten die Kinder die Gegend, kraxelten auf die herumliegenden Steinen und zückten ihre Sackmesser, um ganze Szenen nachzustellen, indem sie Figuren schnitzten und Häuser und Weiden bauten.
Im Moment könnten die Meteorologen gerade so gut würfeln, die Prognosen sind ähnlich genau. Statt dass es immer sonniger wurde, setzte wieder Nieselregen ein, der aber bald wieder vorbei war. Trotzdem: Die Routen waren wieder feucht, wir mussten wieder warten. Die zweite Route, die wir kletterten, war etwas schwieriger, ideal, um wieder vertrauen in die Kletterschuhe zu gewinnen. Zwangsläufig. Es war eine schöne Seillänge, wir versuchten, die Kinder dazu zu motivieren, die Kletterschuhe auch zu schnüren und die Routen zu versuchen. Fabian kletterte denn auch die schwierigere toprope, das heisst von oben gesichert, während Silvan die einfachere im Vorstieg machen wollte. In den Wanderschuhen, da er zu faul war, die Schuhe zu wechseln! Und prompt setzte wieder Nieselregen ein, was die Kinder aber nicht störte. Unverdrossen kletterten sie die Routen, die Flechten, die bei Feuchtigkeit besonders rutschig werden, hinderten sie nicht daran. Aber danach hatten sie auch genug, wir ebenso. Diese ständigen Wetterwechsel nerven. Müssig zu erwähnen, dass es nach unserer Abreise nicht mehr regnete und die Sonne endgültig hervortrat...




Wir übernachteten auf dem Zeltplatz "Grund" in Innertkirchen, näher lag leider keine günstige Unterkunft.
Es schmeckte besser als die Gesichtsausdrücke erahnen lassen
Jetzt wollte er wieder klettern
Am nächsten Morgen strahlte der Himmel endlich wie versprochen blau, die Sonne erreichte aber nur knapp und nur kurz den Zeltplatz. Nach dem eher kalten Frühstück wärmten wir uns im Restaurant Urweider auf, bevor wir wieder zum Räterichsbodensee hoch fuhren. Nun präsentierte sich die Gegend wesentlich freundlicher, trotz dem kalten Wind. Nur die höheren Gipfel waren noch angezuckert. Wir überquerten die Staumauer, um zum Klettergebiet zu gelangen. Der Zustieg war so bequemer als tags zuvor, als wir unterhalb der Staumauer gestartet waren. Von den Kindern wollte keines klettern, der eine war stark erkältet, der andere fühlte sich müde. Na gut, dann klettern halt wir zwei. Ich machte mich bereit für die erste Route. Keine Ahnung, wie schwierig sie ist, aber wird schon irgendwie gehen. Ich stehe also vor dieser Wand. Fast senkrecht erhebt sie sich vor mir, glatt wie ein Spiegel, die Route mit mörderischen Hakenabständen! Todesmutig steige ich ein. Verd..., da fehlen doch überall Griffe! Erleichtert erreichte ich den ersten Haken. Den zweiten. Den dritten. Bis ich am Stand war. Ich schaute zurück: Na ja, jetzt sah die Wand harmlos aus, da würde ja noch fast meine Mutter hochklettern. Insgesamt war das wohl etwa 4b, eine Schwierigkeit, von der Spitzenkletterer noch gar nicht von klettern reden. Jedenfalls konnte ich wieder mal die Haftfähigkeit meiner Plaisir-Kletterschuhe testen, die ich schon mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr angezogen hatte. Die Frau kam nach und machte die zweite Seillänge. Insgesamt sehr schöne Reibungskletterei, ideal, um sich (wieder) daran zu gewöhnen.

Die Kinder wollten immer noch nichts wissen vom Klettern, also machten wir uns an die zweite Route, die vier Seillängen lang ist. Ein Kletterer sah unseren Plaisir-Führer und meinte, dieser hätte wohl auch schon viel erlebt. Er hatte uns soeben alt genannt! Sei's drum, diesmal startete meine Frau mit einer 4b-Länge. Wieder sehr schöne Reibungskletterei, wieder konnte die Fusstechnik trainiert werden. Ich führte die zweite Seillänge, die mit 4c schon etwas schwieriger ist, sie übernahm die dritte, eine 5c, was doch schon ziemlich an klettern erinnerte, galt es doch, eine ziemlich knifflige Stelle zu überwinden: Ziemlich steil, glatt und kein Griff. Aber sie meisterte sie mit Bravour. Die letzte Seillänge war wieder einfach, nun konnten wir noch das Abseilen über mehrere Seillängen trainieren.


Die Kinder hatten in der Zwischenzeit weiter gebastelt und zeigten uns ihre Kunstwerke. Um dem Stau zu entkommen (wir kamen auf dem Heimweg noch am Brünig-Schwinget vorbei), packten wir schon bald zusammen und fuhren wieder nach Hause.
Es war wieder mal ein tolles Familienerlebnis, auch wenn die Kinder kaum kletterten. Gefallen hat es ihnen und uns.

Informationen

Ort: Klettergarten Gerstenegg bei der Staumauer Räterichsbodensee
Routen: Dutzende Routen von 2 bis 12 Seillängen
Seil: 50 m Seil oder 50 m Halbseil, um schneller abzuseilen
Express: ca. 8 Stück
Literatur: "plaisir WEST" aus dem Filidor-Verlag
Charakter: Schöne Mehrseillängenrouten, alles auf Reibung. Ideal, um die Fusstechnik zu trainieren. Man muss für das Gebiet lärmresistent sein (also eigentlich nichts für uns), denn man hört leider die kreischenden Motoren der übermotorisierten Zweiräder nur allzu gut. Keine Ahnung, was das Vergnügen sein soll daran, ganze Alpentäler mit dem Krach zu überziehen.

Kommentare:

  1. Gut geschrieben, manches geht mir genauso oder ähnlich!
    Vielen Dank für diesen wie auch für Deine anderen Blogeinträge. Ich lese sie sehr gerne.
    Gruss, Susanne

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    1. Vielen Dank, freut mich, dass es dir gefällt.
      Gruss
      Urs

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